Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

Nicht dasselbe wie deine Steuernummer — und für EU-Kunden unverzichtbar.

Zwei Nummern werden regelmäßig verwechselt. Die Steuernummer ordnet dich deinem Finanzamt zu und gehört auf jede Rechnung. Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer identifiziert dich im europäischen Binnenmarkt — und ohne sie funktioniert der Übergang der Steuerschuld auf einen EU-Kunden nicht.

Wer sie erteilt, und wie

Erteilende Stelledas Bundeszentralamt für Steuern, nicht dein Finanzamt
Antragschriftlich, mit Name, Anschrift und Steuernummer
Auch bei der Anmeldungim Fragebogen zur steuerlichen Erfassung mitbeantragbar

Der einfachste Weg ist der zweite: sie beim Start mitzubeantragen, statt sie später zu brauchen und zu warten — siehe Selbstständig anmelden.

Wann du sie brauchst

Der Fall, der Kleinunternehmer betrifft. Auch wer § 19 UStG anwendet und selbst keine Umsatzsteuer ausweist, kann eine USt-IdNr brauchen — nämlich für Einkäufe bei EU-Anbietern, bei denen die Steuerschuld auf ihn übergeht. Dass man selbst keine Umsatzsteuer ausweist, heißt nicht, dass man keine schuldet.

Die Nummer des Kunden prüfen — und warum das mehr ist als Höflichkeit

Die Verlagerung der Steuerschuld setzt voraus, dass dein Kunde Unternehmer ist. Der Nachweis dafür ist seine gültige USt-IdNr — und «gültig» heisst: zum Zeitpunkt der Leistung, nicht irgendwann. Das Bundeszentralamt bietet dafür eine Bestätigungsabfrage an, in zwei Stufen:

Einfache Bestätigungdie Nummer existiert und ist gültig
Qualifizierte Bestätigungzusätzlich: Name, Ort, Strasse stimmen mit den Angaben überein

Die qualifizierte ist die relevante. Sie liefert einen dokumentierbaren Nachweis, und genau der fehlt in der Prüfung, wenn man sich auf eine Nummer aus einer E-Mail-Signatur verlassen hat. Bei einem laufenden Rahmenvertrag lohnt eine erneute Abfrage — Nummern werden ungültig, etwa nach einer Umstrukturierung beim Kunden.

Was passiert, wenn die Nummer falsch war

Dann fehlt die Grundlage für den Verzicht auf die deutsche Umsatzsteuer. Praktisch heisst das: du hättest sie ausweisen und abführen müssen. Nachträglich vom Kunden zu bekommen ist eine Verhandlung, nicht ein Anspruch — und genau deshalb ist der Zeitpunkt der Prüfung vor der ersten Rechnung, nicht nach der Betriebsprüfung.

Der umgekehrte Fehler ist der aus § 14c UStG: deutsche Umsatzsteuer ausweisen, wo die Schuld übergegangen wäre. Auch das erzeugt eine Schuld — und ihre Korrektur braucht wieder den Kunden.

Der Fall, der die meisten Freelancer betrifft: die Einkäufe

Cloud-Hosting, Design-Werkzeuge, Werbeplattformen, Code-Assistenten — die meisten dieser Anbieter sitzen in einem anderen EU-Staat oder ausserhalb. Hinterlegst du eine USt-IdNr, rechnen sie ohne Umsatzsteuer ab, und die Schuld geht auf dich über: du meldest sie in der Voranmeldung an und ziehst sie im selben Schritt als Vorsteuer ab. Netto null, ein Vorgang mehr.

Ohne die Nummer zahlst du dagegen die ausländische Umsatzsteuer des Anbieters — und die ist in Deutschland nicht als Vorsteuer abziehbar. Bei 300 € Werkzeugkosten im Monat sind das über ein Jahr rund 684 €, die verloren gehen, weil eine Nummer nicht hinterlegt war.

Das ist auch der Grund, warum die Frage Kleinunternehmer oder nicht und die Frage der USt-IdNr getrennt sind: die erste betrifft deine Ausgangsseite, die zweite deine Eingangsseite.

Häufige Fragen

Wer erteilt die USt-IdNr?

Das Bundeszentralamt für Steuern, auf schriftlichen Antrag mit Name, Anschrift und Steuernummer (§ 27a UStG).

Ist sie dasselbe wie die Steuernummer?

Nein. Die Steuernummer ordnet dich deinem Finanzamt zu; die USt-IdNr identifiziert dich im EU-Binnenmarkt.

Brauche ich sie als Kleinunternehmer?

Möglicherweise ja — für Einkäufe bei EU-Anbietern, bei denen die Steuerschuld auf dich übergeht.

Muss ich die Nummer meines Kunden prüfen?

Es ist dringend zu empfehlen: sie ist der Nachweis, dass du an einen Unternehmer geleistet hast, und damit die Grundlage der Steuerschuldverlagerung.

Stand: 17.08.2026. Quelle: § 27a UStG. Keine steuerliche Beratung.

← Alle Ratgeber

Häufige Fragen

Wer erteilt die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer?
Das Bundeszentralamt für Steuern, auf schriftlichen Antrag mit Name, Anschrift und Steuernummer (§ 27a UStG) — nicht das örtliche Finanzamt.
Ist die USt-IdNr dasselbe wie die Steuernummer?
Nein. Die Steuernummer ordnet den Steuerpflichtigen seinem Finanzamt zu; die USt-IdNr identifiziert ihn im europäischen Binnenmarkt.
Brauchen Kleinunternehmer eine USt-IdNr?
Unter Umständen ja — etwa für Einkäufe bei EU-Anbietern, bei denen die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergeht.
Sollte ich die USt-IdNr meines Kunden prüfen?
Ja. Sie ist der Nachweis, dass an einen Unternehmer geleistet wurde, und damit die Grundlage für die Verlagerung der Steuerschuld.