Krankenversicherung als Selbstständiger

Der Posten, der bei niedrigem Einkommen am meisten weh tut — und bei hohem am wenigsten.

Als Angestellter zahlst du die Hälfte deines Krankenversicherungsbeitrags, die andere Hälfte dein Arbeitgeber. Als freiwillig gesetzlich Versicherter zahlst du beide Hälften. Das ist der größte einzelne Unterschied zwischen Angestelltengehalt und Tagessatz — größer als jede Steuer.

Zwei Sätze, eine Entscheidung

Beitragssatz+ Zusatzbeitrag= gesamt
Mit Krankengeldanspruch (allgemeiner Satz) 14,6 % 2,9 % 17,5 %
Ohne Krankengeldanspruch (ermäßigter Satz) 14,0 % 2,9 % 16,9 %

Der Unterschied von 0,6 % ist der Preis des Krankengelds (§ 243 SGB V). Für einen Selbstständigen ohne Lohnfortzahlung ist das keine Nebenfrage: fällt er aus, fällt sein Umsatz mit ihm.

Der Zusatzbeitrag ist eine Durchschnittsangabe. Die 2,9 % sind der vom Ministerium bekanntgegebene durchschnittliche Satz. Deine Kasse legt ihren eigenen fest, und die Spanne zwischen den Kassen ist groß genug, um einen Wechsel zu rechnen.

Die Grenze oben: 69.750 €

Beiträge werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berechnet. Jeder Euro Gewinn darüber ist beitragsfrei. Das ist der Grund, warum die Abgabenquote mit steigendem Tagessatz sinkt: der Höchstbeitrag ist erreicht, und der Rest wird nur noch versteuert.

Konkret: bei 69.750 € Gewinn zahlst du am ermäßigten Satz 11.787,75 € im Jahr. Bei doppeltem Gewinn zahlst du denselben Betrag.

Die Grenze unten — und warum sie hart ist

§ 240 Abs. 4 SGB V setzt eine Mindestbeitragsbemessungsgrundlage: je Kalendertag mindestens der 90. Teil der monatlichen Bezugsgröße. Bei einer Bezugsgröße von 3.955 € im Monat ergibt das eine Mindestbemessung von rund 1.318,33 € im Monat — unabhängig davon, ob du das verdient hast.

Das trifft die Anfangsphase und die Monate ohne Auftrag: der Beitrag folgt nicht nach unten. Wer mit einem knappen Tagessatz und wenigen Tagen rechnet, sollte diesen Sockel kennen, bevor er ihn erlebt.

Was vom Beitrag zurückkommt

Kranken- und Pflegebeiträge mindern das zu versteuernde Einkommen als Vorsorgeaufwendungen (§ 10 EStG). Bei Krankengeldanspruch wird der Krankenversicherungsanteil dabei um 4 % gekürzt — die Rechner berücksichtigen das. Netto kostet dich der Beitrag also weniger als sein Nennbetrag.

Private Krankenversicherung

Sie richtet sich nach Alter, Gesundheitszustand und Tarif, nicht nach dem Einkommen. Deshalb lässt sie sich nicht allgemein berechnen, und deshalb rechnen unsere Werkzeuge mit der gesetzlichen Variante. Der entscheidende struktturelle Unterschied: ein PKV-Beitrag sinkt nicht, wenn dein Gewinn einbricht.

Der Beitrag über die Einkommensspanne

Am ermäßigten Satz von 16,9 % plus Pflegeversicherung, ohne Kinder:

JahresgewinnBeitragsgrundlageKranken + Pflege im JahrAnteil am Gewinn
15.000 €15.820 € 3.338 € 22,3 %
30.000 €30.000 € 6.330 € 21,1 %
60.000 €60.000 € 12.660 € 21,1 %
90.000 €69.750 € 14.717 € 16,4 %
150.000 €69.750 € 14.717 € 9,8 %

Die letzte Spalte erzählt die ganze Geschichte: der Beitrag ist bei kleinem Gewinn relativ am höchsten und sinkt danach stetig. Bei 15.000 € greift der Sockel, bei 150.000 € die Obergrenze — dazwischen liegt der einzige Bereich, in dem der Beitrag dem Einkommen tatsächlich folgt.

Das ist der Grund, warum ein niedriger Tagessatz doppelt weh tut: er senkt den Umsatz und nicht den Beitrag. Der Netto-Rechner zeigt diesen Effekt in der Abgabenquote.

Der Anfangsbescheid und die Korrektur

Am Anfang kennt die Kasse deinen Gewinn nicht. Sie setzt die Beiträge vorläufig fest, auf Grundlage der von dir nachgewiesenen voraussichtlichen Einnahmen. Nach dem Steuerbescheid wird endgültig abgerechnet — in beide Richtungen.

Praktisch heißt das, dieselbe Zahl an zwei Stellen konsistent anzugeben — im Fragebogen des Finanzamts und bei der Kasse. Zwei verschiedene Schätzungen erzeugen zwei verschiedene Nachzahlungen.

Was der Beitrag netto kostet

Weniger als sein Nennbetrag, weil er das zu versteuernde Einkommen mindert. Bei 60.000 € Gewinn und einem Beitrag von 12.660 € spart der Abzug bei einem Grenzsteuersatz von 42 % rund 5.317 € Steuer — die Nettobelastung liegt entsprechend darunter. Der Krankengeldanteil wird dabei um 4 % gekürzt, wenn Anspruch besteht.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Mindestbeitrag?

Er ergibt sich aus der Mindestbemessung von rund 1.318,33 € im Monat mal deinem Beitragssatz — am ermäßigten Satz also etwa 222,80 € monatlich, zuzüglich Pflegeversicherung.

Lohnt der Krankengeldanspruch?

Er kostet 0,6 % mehr. Für einen Selbstständigen ohne Lohnfortzahlung ist das oft die günstigste Absicherung gegen einen längeren Ausfall.

Sinkt mein Beitrag, wenn ich weniger verdiene?

Bis zur Mindestbemessung ja, darunter nicht. Das ist der Sockel des § 240 SGB V.

Stand: 17.08.2026. Quellen: § 241, § 243 und § 240 SGB V, BMG. Keine Beratung.

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Häufige Fragen

Sinkt mein Krankenversicherungsbeitrag, wenn ich weniger verdiene?
Bis zur Mindestbeitragsbemessungsgrundlage ja, darunter nicht. § 240 Abs. 4 SGB V setzt je Kalendertag mindestens den neunzigsten Teil der monatlichen Bezugsgröße an.
Warum sinkt die Abgabenquote bei hohem Tagessatz?
Weil Kranken- und Pflegebeiträge nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 69.750 Euro berechnet werden. Jeder Euro darüber ist beitragsfrei.
Lohnt sich der Krankengeldanspruch?
Er kostet den Unterschied zwischen allgemeinem und ermäßigtem Beitragssatz. Für Selbstständige ohne Lohnfortzahlung ist er häufig die günstigste Absicherung gegen einen längeren Ausfall.
Ist der Zusatzbeitrag überall gleich?
Nein. Der vom Ministerium bekanntgegebene Satz ist ein Durchschnitt; jede Krankenkasse legt ihren eigenen Zusatzbeitrag fest.