Krankengeld und Arbeitsausfall

Die Lücke, die kein Tagessatz-Vergleich zeigt: sechs Wochen ohne Umsatz und ohne Krankengeld.

Die Zahl, um die es geht. Ein Selbstständiger mit Krankengeld-Wahlerklärung erhält es erst ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit (§ 46 SGB V). Die ersten 6 Wochen trägst du vollständig selbst.

Ein Angestellter hat in dieser Zeit Lohnfortzahlung. Du hast nichts — kein Umsatz, keine Leistung.

Was diese Wochen kosten

Bei einem Tagessatz von 700 € und einer Fünftagewoche:

Umsatzverlust in 6 Wochen 21.000 €
davon Krankengeld0 €
Kranken- und Pflegebeiträge in dieser Zeit laufen weiter

Die Beiträge sind der zweite Schlag: sie folgen deinem Gewinn, aber nicht unter die Mindestbemessung des § 240 SGB V — sie sinken also nicht mit dem Ausfall. Details im Ratgeber zur Krankenversicherung.

Wann der Anspruch entsteht

AngestellterLohnfortzahlung, danach Krankengeld
Selbstständiger mit WahlerklärungKrankengeld ab der 7. Woche
Selbstständiger mit Wahltarif der Kassefrühestens ab der 3. Woche
Selbstständiger ohne Krankengeldgar kein Anspruch

Bei stationärer Behandlung entsteht der Anspruch dagegen von deren Beginn an — die 7-Wochen-Regel greift bei der ambulanten Arbeitsunfähigkeit.

Die drei Wege, das zu schließen

Warum das in einen Tagessatz gehört. Ein Tagessatz-Vergleich zwischen Angestelltenstelle und Freelance-Auftrag stellt Nettobeträge gegenüber. Er unterschlägt dabei drei Absicherungen, die beim Angestellten mitlaufen: Altersvorsorge, Arbeitslosenversicherung und Lohnfortzahlung. Der Gehalt-Umrechner zeigt die erste ausdrücklich; die zweite hat eine Frist von drei Monaten; die dritte ist diese Seite. Zusammen sind sie der Grund, warum ein gleichwertiger Tagessatz deutlich über dem liegt, was ein Nettovergleich suggeriert.

Wie hoch das Krankengeld dann ist

Nicht der Umsatz, sondern die Beitragsbemessungsgrundlage ist maßgeblich — also das Einkommen, auf das du Beiträge zahlst. Zwei Folgen, die zusammen wirken:

Für ein gut verdienendes Profil ersetzt das gesetzliche Krankengeld also einen kleinen Teil des Ausfalls — und erst ab der 7. Woche. Das ist der eigentliche Grund, warum eine private Krankentagegeldversicherung für Freelancer mit hohem Tagessatz kein Luxus ist.

Die Rechnung, die die Entscheidung trägt

Bei 700 € Tagessatz kostet ein Ausfall von acht Wochen 28.000 € Umsatz. Das gesetzliche Krankengeld greift für die letzten zwei dieser Wochen, auf einer gedeckelten Basis. Was bleibt, ist eine Lücke in der Größenordnung eines Monatsumsatzes — jedes Mal.

Gegenzurechnen ist der Preis der Absicherung, nicht ihr Nutzen im Idealfall. Und die Wahrscheinlichkeit ist keine theoretische: über ein Berufsleben ist ein Ausfall von mehreren Wochen der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Was in der Ausfallzeit weiterläuft

Kranken- und Pflegebeiträgeja, mindestens auf der Mindestbemessung
Umsatzsteuer-Voranmeldungja, solange Umsätze bestehen — auch kleine
Einkommensteuer-Vorauszahlungenja, bis sie auf Antrag herabgesetzt werden
Betriebsausgabenja — Büro, Software, Versicherungen laufen

Der Antrag auf Herabsetzung ist der einzige dieser vier Posten, den du kurzfristig beeinflussen kannst. Er ist deshalb der erste Handgriff, sobald ein längerer Ausfall absehbar ist — nicht der letzte.

Häufige Fragen

Ab wann bekomme ich als Selbstständiger Krankengeld?

Mit Wahlerklärung ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit (§ 46 SGB V). Über einen Wahltarif der Kasse frühestens ab der 3. Woche.

Was passiert in den ersten Wochen?

Nichts — kein Umsatz und keine Leistung. Die Beiträge laufen weiter und sinken nicht unter die Mindestbemessung.

Was kostet die Wahlerklärung?

Den Unterschied zwischen ermäßigtem und allgemeinem Beitragssatz, also 0,6 Prozentpunkte deines Beitrags.

Gilt die Frist auch im Krankenhaus?

Nein. Bei stationärer Behandlung entsteht der Anspruch von deren Beginn an.

Stand: 17.08.2026. Quellen: § 46, § 44 und § 240 SGB V. Keine Beratung — Wahltarife und Konditionen legt jede Krankenkasse selbst fest.

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Häufige Fragen

Ab wann erhalten Selbstständige Krankengeld?
Mit Wahlerklärung ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit (§ 46 SGB V). Über einen Wahltarif der Krankenkasse frühestens ab der 3. Woche.
Was passiert in den Wochen davor?
Es gibt weder Umsatz noch Leistung. Die Kranken- und Pflegebeiträge laufen weiter und sinken nicht unter die Mindestbemessung des § 240 SGB V.
Gilt die Wartezeit auch bei stationärer Behandlung?
Nein. Bei stationärer Behandlung entsteht der Anspruch von deren Beginn an.
Wie schließe ich die ersten Wochen ab?
Nur über einen Wahltarif der Krankenkasse oder eine private Krankentagegeldversicherung; die gesetzliche Wahlerklärung allein greift erst ab der siebten Woche.