Wenn die Rechnung nicht bezahlt wird

Du darfst mehr verlangen als den Rechnungsbetrag — und die meisten Freelancer tun es nie.

Ein Kunde, der 60 Tage zu spät zahlt, finanziert seinen Betrieb mit deinem Geld. Das Gesetz sieht dafür einen Preis vor, und er ist bei Geschäftskunden bemerkenswert hoch — § 288 BGB.

Was du verlangen darfst

Schuldner ist kein Verbraucher (dein Normalfall) 9 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz
Regelfall 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz
Pauschale bei Entgeltforderung gegen einen Nichtverbraucher 40 €

Der Basiszinssatz wird halbjährlich veröffentlicht und ändert sich; die 9 Punkte darüber sind fix. Auf einer offenen Rechnung von 12.000 € über 60 Tage liegt der Zinsanspruch damit in der Größenordnung mehrerer Hundert Euro — plus die Pauschale von 40 €, die ohne jeden Nachweis zusteht.

Die Pauschale ist der unterschätzte Teil. Sie ist kein Schadensersatz, den du belegen musst — sie fällt bei Verzug einer Entgeltforderung gegen einen Nichtverbraucher an, Punkt. Bei einem Kunden, der regelmäßig spät zahlt, summiert sie sich pro Rechnung.

Wann Verzug eintritt

Nicht automatisch am Tag nach der Rechnung. Verzug setzt in der Regel eine Mahnung voraus — es sei denn, ein Zahlungstermin ist kalendermäßig bestimmt, oder die gesetzliche Frist nach Zugang der Rechnung ist abgelaufen (§ 286 BGB). Praktisch heißt das: ein konkretes Zahlungsdatum auf der Rechnung erspart die Mahnung und lässt die Zinsen früher laufen. Es ist die billigste Klausel, die du schreiben kannst.

Die Reihenfolge, die funktioniert

Was das mit deinem Tagessatz zu tun hat

Ein Zahlungsverzug ist kein Buchhaltungsdetail, sondern ein Liquiditätsproblem — und es fällt mit den Terminen zusammen, die nicht warten: die Umsatzsteuer ist am 10. fällig, unabhängig davon, ob dein Kunde gezahlt hat. Und wer selbst zu spät zahlt, zahlt 1 % pro Monat an das Finanzamt — siehe Fristen und Zuschläge. Die Zinsen von § 288 BGB sind also nicht Strafe, sondern Ausgleich.

Was der Zinsanspruch konkret ergibt

An einer offenen Rechnung von 12.000 €, 60 Tage überfällig, bei einem Basiszinssatz von beispielhaft 2 %:

Zinssatz (9 Punkte über Basis)11 % p. a.
Zinsen für 60 Tage216,99 €
+ Pauschale40 €
Gesamt256,99 €

Der Basiszinssatz wird halbjährlich neu veröffentlicht — die 9 Punkte darüber sind fix. Bei einem Kunden, der regelmäßig spät zahlt, summiert sich vor allem die Pauschale: sie fällt je Forderung an, nicht je Kunde.

Das gerichtliche Mahnverfahren, nüchtern

Es ist der Schritt, den die meisten Freelancer aus Scheu auslassen — und der günstigste, den es gibt:

Der eigentliche Effekt tritt oft vor dem Titel ein: ein Mahnbescheid landet beim Kunden nicht in der Kreditorenbuchhaltung, sondern in der Rechtsabteilung. Das verändert die Priorität einer Rechnung schneller als eine vierte Erinnerung.

Was man vorher richtig macht

Zahlungsdatum, kalendermäßigVerzug ohne Mahnung — siehe Rechnung schreiben
Vollständige Pflichtangabeneine unvollständige Rechnung gibt dem Kunden ein Argument
LeistungsnachweisTimesheet oder Abnahme, damit die Forderung unstreitig ist
Abschlagszahlungenbei langen Projekten der wirksamste Schutz überhaupt

Der letzte Punkt wiegt am meisten: eine monatliche Abrechnung begrenzt das Ausfallrisiko auf einen Monat, statt es über ein Projekt anwachsen zu lassen — und sie glättet die Liquidität gegen die Termine, die nicht warten (Fristen und Zuschläge).

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Verzugszinsen bei Geschäftskunden?

9 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 2 BGB).

Was ist die 40-Euro-Pauschale?

Ein Pauschalbetrag von 40 €, der bei Verzug einer Entgeltforderung gegen einen Nichtverbraucher ohne Nachweis zusteht.

Brauche ich eine Mahnung?

In der Regel ja — außer der Zahlungstermin ist kalendermäßig bestimmt oder die gesetzliche Frist nach Zugang der Rechnung ist abgelaufen. Ein konkretes Datum auf der Rechnung erspart sie.

Wie viele Mahnungen muss ich schicken?

Gesetzlich genügt eine. Mehrere zu schicken verzögert nur den Zeitpunkt, ab dem ein Mahnverfahren möglich ist.

Stand: 17.08.2026. Quellen: § 286 und § 288 BGB. Keine Rechtsberatung.

← Alle Ratgeber

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Verzugszinsen bei Geschäftskunden?
9 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 2 BGB).
Was ist die 40-Euro-Pauschale bei Zahlungsverzug?
Ein Pauschalbetrag von 40 Euro, der bei Verzug einer Entgeltforderung gegen einen Nichtverbraucher ohne Nachweis zusteht (§ 288 Abs. 5 BGB).
Brauche ich eine Mahnung, damit Verzug eintritt?
In der Regel ja — außer ein Zahlungstermin ist kalendermäßig bestimmt oder die gesetzliche Frist nach Zugang der Rechnung ist abgelaufen (§ 286 BGB).
Wie viele Mahnungen sind nötig?
Gesetzlich genügt eine. Weitere verzögern nur den Zeitpunkt, ab dem ein gerichtliches Mahnverfahren möglich ist.