GmbH oder Einzelunternehmen?
Für die meisten Freelancer ist die Antwort «noch nicht» — und die Gründe sind rechnerisch, nicht ideologisch.
Die GmbH gilt als der «seriöse» Schritt. Sie kostet aber drei Dinge, die ein Einzelunternehmen nicht kostet — und sie löst genau ein Problem, das die meisten Freelancer nicht haben.
Was sie verlangt
| Stammkapital | mindestens 25.000 € (§ 5 GmbHG) |
|---|---|
| Gründung | notariell, Handelsregister |
| Buchführung | doppelte Buchführung und Bilanz, unabhängig vom Gewinn |
| Gewerbesteuer | immer — auch bei freiberuflicher Tätigkeit |
Die letzten zwei Zeilen sind die entscheidenden. Ein Freiberufler darf zeitlich unbegrenzt die einfache EÜR nutzen und zahlt keine Gewerbesteuer — siehe EÜR oder Bilanz und Einordnung. Beide Vorteile verschwinden mit der GmbH, denn sie ist stets Gewerbebetrieb. Der Freibetrag von 24.500 € gilt für sie ebenfalls nicht.
Die doppelte Ebene
Der Gewinn einer GmbH wird zweimal berührt: zuerst bei der Gesellschaft, dann bei dir, wenn du ihn als Gehalt oder Ausschüttung herausholst. Ein Einzelunternehmer versteuert einmal, nach dem Tarif des § 32a EStG — mit einem berechenbaren Netto.
Der Vorteil der GmbH liegt nicht im Steuersatz, sondern in der Einbehaltung: Gewinn, der in der Gesellschaft bleibt, wird nicht zu deinem persönlichen Einkommen. Das nützt dem, der reinvestiert oder thesauriert — nicht dem, der alles entnimmt.
Wofür sie tatsächlich gut ist
- Haftungsbegrenzung. Das ist ihr eigentlicher Zweck. Für eine Beratungs- oder Entwicklungstätigkeit mit Berufshaftpflicht ist das Risiko meist bereits versichert.
- Mehrere Gesellschafter oder eine geplante Beteiligung.
- Gewinn, der im Unternehmen bleibt — Investitionen, Rücklagen, Wachstum.
- Kunden, die es verlangen. Selten, aber es kommt vor — meist im Rahmen von Compliance-Vorgaben grosser Auftraggeber.
Die Zwischenlösung, die oft übersehen wird. Ein Einzelunternehmen kann jederzeit in eine GmbH überführt werden — der umgekehrte Weg ist aufwendiger. Wer unsicher ist, verliert durch Warten wenig und durch eine zu frühe Gründung laufende Kosten: Notar, Handelsregister, Bilanz und Steuerberatung, jedes Jahr.
Was es kostet, sie zu betreiben
Über das Stammkapital hinaus laufen dauerhaft: Bilanzierung statt EÜR, Offenlegung, Körperschaft- und Gewerbesteuererklärung, und in der Regel eine Steuerberatung, die nicht mehr optional ist. Das ist der Betrag, den man gegen den steuerlichen Vorteil rechnen muss — und bei einem Freelancer, der seinen Gewinn vollständig entnimmt, gibt es diesen Vorteil nicht.
Was die GmbH jährlich kostet, unabhängig vom Gewinn
| Posten | Einzelunternehmen | GmbH |
|---|---|---|
| Gründung | Anzeige beim Finanzamt, kostenlos | Notar und Handelsregister |
| Gewinnermittlung | EÜR, ohne Gewinngrenze | Bilanz, immer |
| Offenlegung | keine | Jahresabschluss, öffentlich |
| Erklärungen | Einkommensteuer (+ Gewerbesteuer bei Gewerbe) | Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuer, plus die eigene Einkommensteuer |
| Steuerberatung | optional | faktisch nötig |
| Gewerbesteuer-Freibetrag | 24.500 € | keiner |
Die letzte Zeile ist die unterschätzte: der Freibetrag von 24.500 € gilt nur für natürliche Personen und Personengesellschaften. Für eine GmbH fällt Gewerbesteuer ab dem ersten Euro Gewerbeertrag an — bei einem Hebesatz von 450 % sind das auf diesen Freibetrag allein rund 3.859 € im Jahr, die ein Einzelunternehmer nicht zahlt.
Wo der Vorteil tatsächlich entsteht
Nicht im Steuersatz, sondern in der Thesaurierung. Gewinn, der in der Gesellschaft bleibt, wird nur auf Gesellschaftsebene besteuert und erreicht dein persönliches Einkommen nicht. Bei einem Einzelunternehmer erhöht jeder Gewinn-Euro das zu versteuernde Einkommen, ob entnommen oder nicht — mit dem Grenzsteuersatz des § 32a EStG und, unter der Beitragsbemessungsgrenze, den Sozialbeiträgen dazu.
Praktisch heißt das: der Vorteil ist proportional zum Anteil, den du nicht entnimmst. Wer seinen Gewinn vollständig zum Leben braucht — die Situation der meisten Freelancer — hat keinen Vorteil, nur die Kosten der Tabelle oben.
Die Haftung, nüchtern betrachtet
Sie ist der eigentliche Zweck der Rechtsform, und sie ist echt — aber sie hat zwei Grenzen, die bei Freelancern greifen:
- Der Geschäftsführer haftet persönlich für eigene Pflichtverletzungen, etwa nicht abgeführte Sozialbeiträge oder Steuern. Die Trennung schützt nicht davor.
- Die typischen Risiken einer Beratungs- oder Entwicklungstätigkeit — Fehlberatung, Datenverlust, Projektschaden — sind über eine Berufshaftpflicht versicherbar, und das ist um Größenordnungen günstiger als die laufenden Kosten einer GmbH.
Die Frage ist deshalb nicht «will ich haftungsbeschränkt sein?», sondern «welches Risiko trage ich, das eine Versicherung nicht deckt?». Wer darauf keine konkrete Antwort hat, kauft die GmbH als Gefühl statt als Instrument.
Häufige Fragen
Wie viel Stammkapital braucht eine GmbH?
Mindestens 25.000 € (§ 5 GmbHG).
Zahlt eine GmbH Gewerbesteuer, auch bei freiberuflicher Tätigkeit?
Ja. Die GmbH ist stets Gewerbebetrieb; der Freibetrag von 24.500 € gilt für sie nicht.
Muss eine GmbH bilanzieren?
Ja, unabhängig von der Höhe des Gewinns. Ein Freiberufler darf dagegen immer die EÜR nutzen.
Wann lohnt eine GmbH für einen Freelancer?
Wenn Haftung tatsächlich ein Thema ist, mehrere Gesellschafter beteiligt sind, oder Gewinn im Unternehmen bleiben soll. Wer alles entnimmt, zahlt vor allem die laufenden Kosten.
Stand: 17.08.2026. Quellen: § 5 GmbHG, § 11 GewStG, § 141 AO. Keine steuerliche oder rechtliche Beratung.